Erstes Event bepreisen ohne Vergleichswerte: Ein Denkansatz für Einsteiger
Kein Vorjahr, keine eigenen Verkaufszahlen, keine Ahnung, was der Markt trägt: So findest du trotzdem einen realistischen Ticketpreis für dein erstes Event – Schritt für Schritt.
Erstes Event bepreisen ohne Vergleichswerte: Ein Denkansatz für Einsteiger
Bei jedem folgenden Event hast du irgendwann eine Zahl, an der du dich orientieren kannst: Wie viele Tickets sind letztes Mal zu welchem Preis weggegangen? Wo genau ist der Verkauf eingebrochen? Beim ersten Event fehlt dir das komplett. Es gibt keine Vorjahreszahlen, keine eigene Verkaufskurve, kein Gefühl dafür, was dein Publikum tatsächlich zahlen würde – nur eine Location, ein Datum und die Frage, die niemand für dich beantworten kann: Was schreibst du auf das Ticket?
Die gute Nachricht: Du brauchst keine perfekte Zahl. Du brauchst einen Denkansatz, der dich von „irgendein Preis, der sich richtig anfühlt" zu einer Zahl führt, die du mit einigermaßen gutem Gewissen vertreten kannst. Genau darum geht es hier – nicht um die Formel, wie sich Gebühr und Steuer in einen Ticketpreis einrechnen (das haben wir an anderer Stelle bereits durchgerechnet), sondern um die Frage davor: Wie kommst du überhaupt auf eine erste Zahl, wenn dir jeder Vergleichswert fehlt?
Schritt 1: Deine Untergrenze berechnen – die Fixkosten als Fundament
Der einzige Wert, den du beim ersten Event tatsächlich schon kennst, sind deine Fixkosten. Location, Technik, GEMA/AKM-Abgaben, eventuell eine Gage, Druckkosten, Versicherung – all das steht meist schon fest oder lässt sich mit ein paar Anrufen verlässlich in Erfahrung bringen, lange bevor der erste Ticketverkauf passiert.
Rechne diese Fixkosten zusammen und teile sie durch die Anzahl der Plätze, die du realistisch verkaufen willst – nicht durch die maximale Kapazität der Location, sondern durch eine vorsichtige Schätzung, wie viele Tickets tatsächlich weggehen. Das Ergebnis ist deine Untergrenze: der Preis, unter dem du bei der angenommenen Auslastung draufzahlst.
Ein Beispiel zur Einordnung, ohne konkrete Beträge zu unterstellen: Wenn deine Fixkosten bei 1.500 Euro liegen und du vorsichtig mit 100 verkauften Tickets rechnest, brauchst du mindestens 15 Euro pro Ticket, nur um kostendeckend zu sein. Rechne hier lieber konservativ als optimistisch – eine Auslastung von 100 % beim allerersten Event anzunehmen, ist der häufigste Fehler bei dieser Rechnung. Wer mit 60–70 % der Kapazität kalkuliert, hat einen realistischeren Boden unter den Füßen.
Diese Untergrenze ist noch kein Ticketpreis. Sie ist aber die einzige Zahl in deiner ganzen Kalkulation, die nicht auf Vermutung beruht – und damit der feste Punkt, von dem aus alles Weitere gedacht wird.
Schritt 2: Ähnliche Events in der Region als grobe Orientierung
Der zweite Schritt ist keine Marktforschung, sondern ein Realitätscheck: Wie viel kosten Events, die deinem in Größe, Ort und Zielgruppe ähnlich sind? Damit ist nicht gemeint, die Preisliste eines bestimmten Konkurrenten zu kopieren – konkrete Zahlen einer anderen Veranstaltung zu übernehmen, sagt dir wenig über dein eigenes Publikum. Gemeint ist eine grobe Einordnung: Bewegt sich der übliche Eintritt für ein Event dieser Art in deiner Stadt eher im unteren, mittleren oder oberen zweistelligen Bereich?
Ein paar Wege, an dieses Gefühl zu kommen, ohne Zahlen zu erfinden:
- Frag Leute aus deinem Umfeld, die zuletzt bei einem ähnlichen Event waren, was sie bezahlt haben.
- Sprich mit anderen Veranstaltern in deiner Szene – viele geben grobe Preisspannen gerne weiter, gerade wenn du nicht direkt in Konkurrenz zu ihnen stehst.
- Schau dir öffentlich zugängliche Eventseiten vergleichbarer Formate an, wenn Preise dort einsehbar sind.
Wichtig ist, was du mit dieser Information machst: Sie ist eine Leitplanke, kein Zielwert. Sie zeigt dir, in welchem Korridor sich dein Publikum bewegt, bevor ein Preis überhaupt als „normal" oder „zu teuer" wahrgenommen wird. Ob du dich innerhalb dieses Korridors eher am unteren oder oberen Rand positionierst, hängt von deiner Untergrenze aus Schritt 1 und von dem ab, was dein Event von den Vergleichsfällen unterscheidet – ein bekannterer Act, eine besondere Location, ein Mehrwert wie Verpflegung oder Merch im Preis.
Schritt 3: Lieber leicht unter dem Bauchgefühl starten
Wenn du Untergrenze und Orientierungskorridor zusammenbringst, bleibt fast immer eine Preisspanne übrig, kein einzelner Wert – und irgendwo darin sitzt eine Zahl, die sich für dich „richtig" anfühlt. Genau bei dieser Zahl lohnt es sich, bewusst einen Schritt zurückzugehen: Setz den tatsächlichen Preis für dein erstes Event leicht unter dieses Bauchgefühl.
Der Grund ist keine falsche Bescheidenheit, sondern reine Risikoabwägung. Beim ersten Event kennst du deine eigene Nachfrage nicht – du weißt nicht, wie viele Leute überhaupt kommen wollen, unabhängig vom Preis. Ein Preis, der etwas niedriger ist als eigentlich vertretbar, verkauft sich leichter voll, was dir zwei Dinge bringt: erste echte Verkaufszahlen und – wenn es gut läuft – ein ausverkauftes oder fast ausverkauftes Event, das sich für zukünftige Ankündigungen deutlich besser vermarkten lässt als eines mit vielen leeren Plätzen zum „richtigen" Preis.
Der entscheidende Punkt dabei: Dieser niedrigere Preis ist eine bewusste Entscheidung für dieses eine erste Mal, keine Festlegung für alle Zukunft. Sobald du nach dem Event echte Zahlen hast – wie schnell sich Tickets verkauft haben, ob und wann der Verkauf ins Stocken kam, wie viele über Freundeskreis vs. Fremde gekommen sind – hast du genau die Vergleichswerte, die dir beim ersten Mal gefehlt haben. Für das nächste Event justierst du dann nach oben, wenn die Nachfrage das getragen hat, oder überlegst dir andere Stellschrauben, wenn nicht.
Schritt 4: Frühbucher-Tickets nutzen, um die Preisakzeptanz zu testen
Ein Werkzeug, das dir schon während des laufenden Vorverkaufs zusätzliche Information gibt, statt erst danach: eine separate, günstigere Frühbucher-Kategorie für eine begrenzte Stückzahl. Statt nur einen einzigen Preis für dein Event zu setzen, legst du zum Beispiel ein kleines Kontingent zu einem etwas reduzierten Preis an, das erst nach Ablauf eines Zeitfensters oder nach Verkauf auf den regulären Preis wechselt.
Das bringt dir zwei Dinge gleichzeitig. Erstens: Wie schnell dieses erste Kontingent weggeht, ist ein früher, echter Indikator für die Preisakzeptanz deines Publikums – lange bevor du siehst, wie sich der reguläre Preis verkauft. Geht die Frühbucher-Stufe innerhalb von Tagen weg, ist das ein Signal, beim nächsten Mal mutiger nach oben zu gehen. Tut sich über Wochen wenig, lohnt sich ein Blick darauf, ob der reguläre Preis überhaupt trägt, bevor du zu viele Tickets dazu anbietest. Zweitens gibst du damit genau den Leuten, die dich am meisten unterstützen wollen – dein direktes Umfeld, frühe Follower, engagierte Fans – einen fairen Vorteil dafür, dass sie früh und ohne Vergleichswerte auf dich vertrauen.
Im TCKTNEST-Dashboard legst du dafür einfach mehrere Ticketkategorien mit jeweils eigenem Preis und eigenem Kontingent an; sobald die Frühbucher-Stufe ausverkauft oder ihr Zeitfenster abgelaufen ist, zeigt die Ticketseite automatisch den nächsten Preis. Du brauchst dafür keine separate Technik – nur die Entscheidung, wie viele Tickets zu welchem Preis in der ersten Stufe verfügbar sein sollen.
Fazit
Ohne Vergleichswerte einen Ticketpreis zu finden, ist kein Ratespiel, auch wenn es sich beim ersten Mal so anfühlt. Rechne zuerst deine Fixkosten zu einer realistischen Untergrenze durch, hol dir einen groben Korridor aus ähnlichen Events in deiner Region, setz den tatsächlichen Preis dann bewusst etwas unter dein Bauchgefühl – und nutze eine Frühbucher-Kategorie, um schon während des Verkaufs erste echte Daten zur Preisakzeptanz zu sammeln. Nach diesem einen Event hast du das, was dir jetzt fehlt: eigene Zahlen, auf die du dich beim nächsten Mal stützen kannst.
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